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Gewerbefreiflächen
Unternehmer wollen Kosten minimieren. Aus diesem Grund werden die unproduktiven Grünflächen oft auch nur stiefmütterlich behandelt. Zwar gibt es – wie bei allen Flächentypen – auch hier eine große Bandbreite an Varianten und Formen. Ein typisches Bild in den Gewerbegebieten waren bzw. sind aber die Flachdachhallen mit den umgebenden, pflegeleichten Kurzschnittrasen. Die Freifläche dient hier als Abstandsgrün, man begnügt sich mit dem "Existenzminimum an Umweltgestaltung" (Wieland 1983).


Funktionen
Auch Freiflächen an Gewerbeobjekten können – neben den "klassischen" Nutzungen wie Parkplatz oder Abstandsgrün – vielfältige Funktionen übernehmen:
· Freiraumerholung für Betriebsangehörige, z. B. als Gartenterrasse oder Kantinenerweiterung im Außenbereich.
· Imageverbesserung und damit auch Förderung der Firmenzugehörigkeit der Mitarbeiter, Verbesserung des Betriebsklimas.
· Positive Abgrenzung von umliegenden Gewerbeflächen.
· Biotopfläche, z. B. Kleingewässer, Trocken- oder Magerrasen; Bestandteil eines Biotop-Verbundsystems.
· Tierhaltung oder Bereitstellung von Flächen zur Beweidung.
· Verbindung zwischen Werksgelände und umgebender Landschaft herstellen.
· Sickerflächen, Standort von naturnahen Regenwasserrückhaltebecken.
· Energiegewinnung: Standfläche für Photovoltaik-Anlagen oder kleine Windräder.
· Nutzung der Flächen zur Erhaltung alter Obstsorten.
· Bereitstellung zur privaten Nutzung durch Betriebsangehörige.

Maßnahmen
Freiflächen an Gewerbeobjekten weisen häufig einige Besonderheiten auf, die bei der Planung entsprechend berücksichtigt werden müssen:

Besonderheiten/ Probleme Auswirkungen/ Lösungen
Lärm- und Schadstoffbelastungen eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten; erfordern Standortuntersuchungen; evtl. Wuchspotential für Schwermetallpflanzen, Pflanzung von Filterhecken, Lärmschutzmaßnahmen (-pflanzungen)
Kostenminimierung Freiraum-Umgestaltung bzw. Pflege muß kostengünstiger werden als vorher (Extensivierung) oder es müssen sich andere Vorteile für den Betrieb ergeben, z. B. Image- oder Betriebsklimaverbesserung
Z. T. großflächige Bodenversiegelungen eingeschränktes Begrünungspotential; Entsiegelungsmöglichkeiten prüfen: z. B. Ersatz von Asphalt durch Rasengittersteine, Entsiegelung von nicht befahrenen Flächen
Betriebsangehörige = "Produktionsmittel", dessen Leistungen auch vom Wohlbefinden (Betriebsklima, Arbeitsumgebung) und dem Zugehörigkeitsgefühl zur Firma beeinflußt werden; Berücksichtigung der Mitarbeiterwünsche bei der Freiraumgestaltung
Große Betriebsgebäude Flächenverbrauch; kann gemindert werden durch Nutzung/ Begrünung von Dachflächen und Fassaden

Elemente und Maßnahmen
Es handelt sich hierbei nur um eine allgemeine Auflistung von Maßnahmen. Weitergehende, wie z. B. mögliche Vernetzungen oder die Nutzung von Beziehungen, müssen im konkreten Planungsfall ermittelt werden.

Die Maßnahmen beziehen sich in erster Linie auf vorhandene Freiflächen. Bei Neuanlage von Gewerbegebieten sind darüberhinaus weitere Aspekte bedeutsam, auf die hier aber nicht weiter eingegangen werden kann, z. B. die funktionelle Zuordnung der einzelnen Gebäude zur Minimierung von Verkehrsflächen, die Ausrichtung der Gebäude in Bezug auf stadtklimatische Wirkungen usw.

Aber auch bei existierenden Objekten sollte die umgebende Freifläche nicht isoliert betrachtet werden, sondern stets im Zusammenhang mit dem Betriebsgebäude, um mögliche und notwendige Beziehungen und Synergien nutzen zu können.
Die Umgestaltung der Flächen erfordert das Interesse des Managements und der Belegschaft und den Mut zu einem unkonventionellen Anblick

Prinzip Elemente/ Maßnahmen
Energie
Anpassung der Flächennutzung an Nutzeransprüche,
der Vegetation an Standortfaktoren
des Betriebsgebäudes an die Umgebung
Nutzung vorhandener Kräfte Energiegewinnung durch Photovoltaik oder kleine Windräder
Nutzung klimatisch relevanter Gebäudesituationen:
- Südfassaden für Spalierobst
- Reflexionsstrahlung weißer Fassaden zum Anbau wärmebedürftiger Kulturen
- Sonnenfallen als windgeschützte Aufenthaltsbereiche
- tiefer Teich am Aufenthaltsbereich mit Kühlwirkung im Sommer
Nutzung vorhandener materieller Ressourcen niederschlags-/ brauchwassergespeiste Bewässerung oder Kühlung
Begrünung von ungenutzten Restflächen
Dach- und Fassadenbegrünung
Verwendung von Bodenaushub zur Geländemodellierung
sukzessive Bepflanzung von Teilflächen (z. B. Dachbegrünung) => bei späterer "Ausdünnung" anfallendes Pflanzenmaterial kann dann an anderer Stelle eingesetzt werden
Bodendekontamination durch Pflanzen
Minimierung von Energie-Verlusten isolierende Dach- und Fassadenbegrünung
Erdhäuser/ Erdkeller zur Lagerung
Mehrfachnutzung Öffnung der Flächen für die Öffentlichkeit
Integration von Sport- und Freizeiteinrichtungen
durch mehrere Betriebe gemeinsam nutzbare Grundstückszu- und -ausfahrten
Fassadenbegrünung zur Wärme- und Schalldämmung und Verbesserung des Mikroklimas
Dachbegrünung (wie Fassadenbegrünung, zusätzlich:) für Pausenaufenthalte und Besprechungen, Schutz der Dachhaut, Regenwasserspeicherung
Pflanzenkläranlagen mit Biotopfunktion
Kaskadenartige Nutzung Sammlung von Regenwasser in Teichen (Biotop, Bewässerung, Löschteich) statt sofortiger Versicherung
Organisation
Selbstorganisation parzellenartige Bewirtschaftung und Pflege der Freifläche durch Betriebsangehörige
Gartenarbeit statt Fitnessräume
Standortgerechte Pflanzen zur Pflegeextensivierung
Vernetzung Anbindung an öffentliches Grünsystem
Biotopverbund
Abgabe von Freiflächenprodukten, z. B. Rasenschnitt oder Häckselmaterial an Tierhalter o. Gartenbesitzer
Dezentralität lokale Abwasserreinigung
Beitrag zur eigenen Energieversorgung
Regionalität Baustoffe, Materialien, Pflanzen
Dynamik Sukzessionsflächen
temporäre Nutzung von Vorhalteflächen und Industriebrachen
Renaturierung kanalisierter Bachläufe
Individuendichte/ Mindestareale Größe der Freizeitbereiche nach Bedarf und Pausenregelung (feste oder flexible Zeiten)
Flächen für Tierhaltung oder Sportbereiche
Nachhaltigkeit
Kreislaufprinzip Pflanzenkläranlagen
Verwertung von Schnittgut vor Ort
Regenwasserversickerung auf dem Betriebsgelände
Nutzung betrieblicher Abfälle: z. B. Kantinenabfälle in lokaler Tierhaltung
Funktionsabsicherung offene und witterungsgeschützte Freizeitbereiche
Verzicht auf systemfremde Stoffe und Prozesse Bodenentsiegelungen
Minimierung des verkehrlichen Erschließungsaufwandes; Reduzierung der Straßen und Wegequerschnitte
Vermeidung/ Minimierung von Schadstoffeinträgen in Boden und Gewässer
Erhalt vorhandener Biotope und Strukturelemente
Minimierung von Pkw-Stellplätzen durch gute ÖPNV-Anbindung, Tiefgaragen u. a.
Vielfalt
Artenvielfalt Erhöhung des Biotopwertes
neue Nischen für Tiere und Pflanzen durch größere Struktur- und Mikroklimavielfalt
Biol. Design Gestaltung der Betriebsgebäude
vielfältige, kleinräumige Gestaltung
Randzonen Übergangsbereich von der freien Landschaft zum Betriebsgelände ansprechend gestalten
Nutzungsvielfalt s. o. (Funktionen)